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Dr. Thomas Körbel

Dr. Thomas Körbel

Seelsorger und Persönlichkeitstrainer

* 1963, Diplom-Theologe, Dr. phil., Großhandelskaufmann, Moderator, Meditationslehrer, Seminarleiter, Dozent für Arbeitsmarktfragen, Karriereberatung und Pflegeberufe, Seelsorger und beziehungsoffener Eremitenmönch.

"Was kann ein Diplom Theologe zu Fragen des modernen Bewerbungsmanagements sagen?"

Thomas Körbel: "In der Theologie geht es schon immer um die Berufung des Menschen. Berufung bedeutet: sinnvoll zu leben, daraus gestärkt anderen etwas zu geben. Der Beruf ist eine Konsequenz des Gebens, eine Folge der Berufung. Die heutige Entfremdung des Menschen im Arbeitsleben ist überall spürbar, die Sinnhaftigkeit und Wertschätzung durch Arbeit brechen weg: Arbeitslosigkeit, Umstrukturierung, Alter und Krankheit, Berufe sterben. Als Seelsorger und Karriereberater/Jobcoach kann ich auch Bereiche des Lebens in den Fokus rücken, die vor lauter Arbeitssuche leicht aus dem Blick geraten: Das eigene Glück, Lebensfreude, eine neue Form des Wohl-Stands, um nur einige zu nennen."

"Sind Arbeitsmarktfragen nur mit harter Businesslogik zu beantworten?"

Thomas Körbel: "Wir erleben, dass in den Arbeitsprozessen immer stärker der einzelne Mensch mit seinem gesamten Lebensumfeld in den Blick kommt. Dabei ist die Sonntagslogik der Ruhe etwas, das gerne vergessen wird, wenn Arbeit und Leben zwangsverheiratet werden. Es geht nicht um den Unsinn einer Work-Life-Balance, es gibt nur Lebenszeit, die gestaltet werden kann. Wofür nutzen wir unsere Lebenszeit? Was wollen wir gestalten? Das gilt für Angestellte ebenso wie für Führungskräfte. Wie Götz Werner es sagt: Lebensunternehmer ist man nicht nur im Bezug auf seine Arbeit, sondern auf sein gesamtes Leben. Und man ist es nicht nur für sich, sondern immer auch für andere." 

"Du hast in Deinen Seminarthemen und in Deinen Beiträgen oft auch einen explizit spirituellen oder theologischen Gedanken. Was ist da die Verbindung?"

Thomas Körbel: "Ich bin Theologe, Philosoph, Unternehmersohn, lebe in vielen unterschiedlichen Rollen und Lebenswelten. Die Verbindung bin ich. Im Beratungsprozess habe ich bei den Menschen (und auch bei mir) immer wieder diese erhellenden Momente erlebt, diese kleinen Erleuchtungen. Als Theologe sehe ich, dass die Kirchen sich oft nur um sich selbst drehen, immer die gleichen Fragen stellen ohne eine Antwort zu wagen und die wirklich bedrängenden Fragen der Menschen nicht mehr sehen. Kommunion für Wiederverheiratete z.B.: Windhauch. Wir sollten umdenken und verstehen: Was bedeutet Kommunion denn wirklich? Sexualität, Homosexualität: Windhauch. Natürlich leiden Menschen an der Anmaßung der Kirche, doch warum und wozu? Da kann weder moralische Verurteilung noch mitleidsvoll daherkommende Barmherzigkeit eine überzeugende Antwort geben, schon gar nicht eine Machtstruktur. Nur das Gewissen. Und alles Leben darf sein. Was kann Maria für uns heute und für die Zukunft wirklich bedeuten? Die Antwort liegt jenseits marianisch-jungfräulicher Frömmigkeit von gestern. Die Theologie hat Antwort-Ansätze, die nicht seelsorglich umgesetzt worden sind. Wo wird die Auferstehungserfahrung auf diese umfassende Weise erlebbar, dass sie ein ganzes Leben verwandelt? Wie wird das Leben selbst, Gott, im Menschen lebendig? Was ist der Mensch? Was ist sein Leben? Was ist Gebet? Und des Umdenkens sollte es kein Ende geben."